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FAQ

Schafft denn ein Outlet-Center in der Nähe nicht nur Vorteile für uns Verbraucher, weil wir endlich auch hier Schnäppchen machen können?

Das ist nur auf den ersten Blick richtig. Aber das, was Sie sparen, verteuert Ihr Leben hier insgesamt. Die Stadt ist darauf angewiesen, weiter attraktiv zu sein für Besucher wie für ihre Einwohner. Sonst kann sie ihre Angebote auf Dauer nicht aufrechterhalten. Stellen Sie sich vor, Sie müssten künftig im Alltag Einbußen oder Verteuerungen hinnehmen bei den Angeboten, die Sie wirklich im täglichen Leben brauchen: die Betreuungsangebote für Ihre Kinder. Oder den Cappuccino in Ihrem Lieblingscafé. Einfach, weil das Geld weniger geworden ist oder weniger Menschen die Angebote nutzen. Oder noch schlimmer: Auf einmal gibt es die gewohnte Vielfalt der Angebote nicht mehr. Keinen flächendeckenden Nahverkehr. Weniger Schülerbetreuung. Kein Tuesday Night Skating mehr, kein Stadtfest. Keinen Bundesliga-Sport. Weil denen, die diese Events (mit)finanzieren, das Geld ausgegangen ist. Was hätten Sie dann noch von ihrer um 30-Prozent reduzierten Designerbluse einmal im Jahr? Überlegen Sie also gut, wem Sie mit der Schnäppchen-Jagd ein Schnippchen schlagen. Im Zweifel sind Sie es selbst.

Könnte man denn nicht mehr gegen die Verödung der Innenstadt tun, statt Mauern gegen Konkurrenz aufzubauen?

Die Gießener City hat in den letzten Jahren enorm zugelegt. Nicht nur, dass der Seltersweg und die Straßen drumherum mit viel öffentlichem Geld und auch viel privatwirtschaftlichem Engagement saniert wurden und viele neue Angebote locken. Denken Sie an die Aufwertung des Elefantenklos durch Beleuchtung und den Wasservorhang. Denken Sie an die Wasserspiele in der Löwengasse, in denen sich die Kleinsten bei Sonnenschein über Stunden vergnügen. Denken Sie an die vielen neuen Cafés, Bars und Restaurants, die sich in der Innenstadt angesiedelt haben und daran, wo Sie überall bei schönem Wetter draußen sitzen und nach einem Einkauf die Stadtkultur genießen können. Das alles sind keine Zeichen von Verödung. Sondern dafür, dass viele Menschen den Gießener City-Mix mögen und lieben.
Und natürlich: Man könnte sich immer noch mehr vorstellen. Und Konkurrenz belebt das Geschäft. Das stimmt. Aber nur dann, wenn man die Folgen einer echten Verbraucher-Wahl auch tragen will. Mal Hand aufs Herz: Würden Sie tatsächlich auf Dauer ein Outlet-Center gegen die Gießener Innenstadt tauschen? Ist Ihnen ein einmaliges Designer-Schnäppchen tatsächlich so viel wert, wie das, was wir Ihnen an 365 Tagen auch außerhalb der Öffnungszeiten in Gießen bieten? Beides werden Sie nicht bekommen.

Will sich die Stadt Gießen etwa nur die Rosinen herauspicken und gönnt den Umlandgemeinden nicht deren Erfolg?

Das ist falsch. Die Stadt Gießen und ihr Umland gehören fest zusammen. Es ist wie in einer Familie: Jeder hat seine Rolle, seinen Platz, seine Aufgabe. Es ist die Aufgabe der Stadt Gießen als Oberzentrum, Leistungen auch für das Umland zu erbringen. Das Angebot an Kultur, Freizeit, Sport zum Beispiel könnte sich nicht jede Gemeinde im Landkreis selbst leisten. Das Angebot an Schulen, an ärztlicher Versorgung, an sozialer Unterstützung und Beratung, ja auch an Einkaufsmöglichkeiten jenseits des täglichen Bedarfs halten wir auch für das Umland vor. Gießen bietet auch Arbeitsplätze für die gesamte Region. Das ist unsere Aufgabe. Der können wir aber nur nachkommen, wenn wir dafür genügend Geld und genügend Menschen haben, die diese Angebote nutzen. Wir brauchen deshalb auch unseren funktionierenden Innenstadt-Handel. In Wirklichkeit ist es so: Ein Outlet ist ein Rosinenpicker. Weil es schlichtweg Einnahmen abzieht, ohne etwas an Lebensqualität zu bieten. Damit gefährdet es die Lebensqualität in der ganzen Region.

Was soll daran schlecht sein, wenn das Outlet zusätzliche Arbeitsplätze in unsere Region bringt?

Die Investoren des Outlet versprechen mehr als sie halten werden. Jeder Arbeitsplatz, der dort neu geschaffen wird, fällt an einer anderen Stelle weg. Und zwar hier in der Region. Dazu werden auch weitere Arbeitsplätze gefährdet – z.B. in der Gastronomie, im Freizeitbereich. Denn mit jedem Verlust an Einkaufsangeboten, der zwangsläufig die Folge wäre, werden auch weniger Menschen nach Gießen kommen. Ein Outlet wäre daher ein doppeltes Minus. Jeder gewonnene Arbeitsplatz in Pohlheim würde ein mehrfaches an Arbeitsplatz-Verlusten in der ganzen Region nach sich ziehen. Gewinnen wird dadurch keiner – außer der Investor.

Wäre ein Outlet nicht ein toller Publikumsmagnet für Touristen, die zusätzlich Einnahmen brächten?

Wer sich Outlets anschaut, weiß, dass die Besucher maximal eine Tagestour, und zwar nur zum Shoppen, dorthin unternehmen. Deshalb nennt man diese Gruppe auch Shopping-Touristen. Sie fahren auf dem Weg in den Urlaub zum Outlet. Oder gezielt für ein paar Stunden dorthin. Deswegen stehen Outlets an der Autobahn. Mehrtages-Besucher sind nicht die Regel. Das mag in Regionen anders sein, in denen es bereits einen kommerzialisierten Event-Tourismus wie Freizeitpark, Musical-Halls o.ä. gibt. Wer bequem mit dem Auto per eigenem Autobahnanschluss ein Outlet ansteuert, der will in der Regel nicht nach mehrstündigem Shopping-Event noch in andere entferntere Innenstädte fahren oder sich schlicht Sehenswürdigkeiten oder schöne Natur auf dem Land anschauen. Outlets haben ein klares Konzept: Sie bieten ein Rundum-Event-Shopping-Versprechen für einen Tag. Deswegen kommen die Menschen dorthin und deswegen fahren sie auch nach dem Event sofort wieder weg. Außer dem Investor hat niemand etwas von dem Geld, das sie mitbringen.

Warum ist nicht beides möglich - mal Shoppen im Outlet und das Leben in Gießen genießen?

Ein Outlet-Einkauf ist für die meisten Menschen kein Zusatz-Einkauf. Das heißt: Das Geld, das im Outlet ausgegeben wird, wird beim nächsten Innenstadt-Shopping eingespart. Das wiederrum bedeutet, dass gerade Geschäfte im Bekleidungs-, Schuh- und Sportwarenbereich Einbußen haben werden und vielleicht auch schließen müssen. Das wird insgesamt der Attraktivität der Einkaufsstadt schaden, weil nicht mehr so viele Angebote vorhanden sind. Schließungen drohen und Leerstände. Aufgrund der schlechteren Frequenz an Besuchern könnten auch Filialen von Ketten wieder abziehen. Danach könnte das Gesicht der Stadt insgesamt anders aussehen: Handyläden, Wettbüros, Spielhallen könnten einziehen. Und darunter würde z.B. auch die Gastronomie leiden, weil dann weniger Menschen in die Stadt kommen würden. Auf der grünen Wiese Schnäppchen machen und gleichzeitig eine dauerhaft lebendige Innenstadt genießen, verträgt sich nicht. Genauso wenig wie Seitensprung und eine gute Dauerbeziehung.

Bekommen die Pohlheimer tatsächlich mit dem FOC einen Autobahnanschluss vom Investor „geschenkt“?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum der Investor von einem neuen Autobahnanschluss für das Outlet und die Stadt Pohlheim ausgeht. Alle zuständigen Stellen bei Land und Bund sagen, dass ein solches Bauvorhaben weder vorabgestimmt bzw. zugesagt wurde noch in irgendeiner Form genehmigungsfähig ist. Die Vorschriften zur Begründung und Verortung einer neuen Anschlussstelle stehen diesem Planungsziel des Investors aufgrund der überwiegenden Privatnutzung und der zu geringen Abstände zu anderen Kreuzungspunkten der A5 diametral entgegen – zwischen Anschlüssen müssen mindestens 8 km Abstand liegen. Die Anschlussstelle Fernwald liegt etwa 2,5 km von der geplanten Anschlussstelle entfernt.

Zudem muss auch davon ausgegangen werden, dass bei einer Realisierung einer Autobahnanschlussstelle im Verknüpfungspunkt der Landesstraße L 3131 erhebliche Verkehrsbelastungen in umliegenden Ortschaften mit ihren Wohngebieten entstehen werden. Die regionalen Auswirkungen einer solch gravierenden Veränderung des Verkehrsnetzes müssten sachgerecht ermittelt und auf ihre Vor- und Nachteile hin abgewogen werden. Daher wäre ein neuer Autobahnanschluss nicht automatisch als „Geschenk für Pohlheim“ anzusehen.

Was kann ich dagegen tun, dass ein Outlet kommt und unsere Lebensqualität bedroht?

Wenn Sie in Pohlheim wohnen, brauchen Sie nur am Bürgerentscheid am 19.8.2018 teilnehmen und mit „Ja“ stimmen. Damit stimmen Sie gegen das Outlet.
Aber auch wenn Sie Ihre Stimme so nicht abgeben können, können Sie Ihre Meinung zu Gehör bringen. Sie können darüber mit Ihren Nachbarn reden. Ihren Arbeitskollegen. In Ihrer Familie. Und uns damit dabei unterstützen, das zu bewahren und weiterzuentwickeln, was uns lieb und teuer ist. Wir wünschen uns ein gesellschaftliches Klima, in dem nicht nur das nächste Schnäppchen gesucht wird und „Geiz ist geil“ die Diskussion bestimmt. Wir wünschen uns, dass Menschen als mündige Bürger und Verbraucher darüber nachdenken und danach handeln, was über den Tag hinaus der beste Weg für alle ist. Das Nachdenken hat in vielen Bereichen längst angefangen und viele Menschen drücken durch bewusste Kaufentscheidungen auch heute schon ihren Wunsch nach besseren Verhältnissen – sei es in ökologischer Hinsicht, sei es aus sozialer Verantwortung oder auch als Haltung gegenüber Tieren - aus. Wir freuen uns über jede dieser Diskussionen. Und wenn Sie Fragen haben: Schreiben Sie uns! Über das Kontaktformular erreichen Sie uns ganz leicht.

Wäre das Outlet-Center in Garbenteich nicht rechtswidrig?
Die Planungen sind mit den Zielen der Landes- und Regionalplanung nicht in Einklang zu bringen. Unser Gutachter schrieb dazu:
„Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Vorhaben FOC Pohlheim-Garbenteich gegen sämtliche Ziele der Landes- und Regionalplanung des LEP Hessen 2000 und des Regionalplans Mittelhessen 2010 verstößt.“ Eigentlich dürfte es deshalb aus diesen folgenden einzelne Gründen auch nie genehmigt werden (Auszüge aus dem Gutachten):

  • Zentralitätsgebot: Pohlheim ist laut Regionalplan Mittelhessen als Grundzentrum aus- gewiesen und kommt somit als Standort für großflächige Einzelhandelsprojekte nicht in Betracht. Die Ausnahmeregelung des Regionalplans Mittelhessen gilt nur zur örtlichen Grundversorgung und unter Einhaltung der Landes- und regionalplanerischen Zielsetzungen. Wie im Weiteren dargelegt wird, wird ein Großteil der landes- und re- gionalplanerischen Zielsetzungen nicht eingehalten. Auch dient ein FOC nicht der Grundversorgung der örtlichen Wohnbevölkerung. Darüber hinaus ist – auch mit Blick auf die Ausnahmeregelung des LEP 2000 – der Ortsteil Garbenteich kein zentraler Ortsteil innerhalb des Grundzentrums Pohlheim; dies wäre der Stadtteil Watzenborn-Steinberg. Das Zentralitätsgebot wird somit nicht eingehalten.

  • Kongruenzgebot: Das weitreichende Einzugsgebiet eines FOC fügt sich am Standort Grundzentrum Pohlheim nicht in das zentralörtliche Versorgungssystem der Region ein. Die Versorgungsbedeutung des Grundzentrums Pohlheim beschränkt sich gemäß Regionalplan Mittelhessen auf das eigene Stadtgebiet. Das Kongruenzgebot wird somit nicht eingehalten.

  • Dies gilt für den spezifischen Betriebstyp FOC generell; das Kongruenzgebot würde höchstens bei einem Standort in einem Oberzentrum eingehalten.

  • Siedlungsstrukturelles Integrationsgebot: Der Standort in Pohlheim-Garbenteich ist im Regionalplan Mittelhessen als Vorranggebiet Industrie und Gewerbe – Planung aus- gewiesen. Das siedlungsstrukturelle Integrationsgebot wird somit nicht eingehalten.

  • Städtebauliches Integrationsgebot: Der Planstandort ist als klar autokundenorientierter Standort in Ortsrandlage von Pohlheim-Garbenteich zu bezeichnen. Trotz des Vor- handenseins einer Busverbindung zwischen Pohlheim und Gießen durch die vorhandene Haltestelle in der Nähe des Planstandorts kann nicht von einer Einhaltung des städtebaulichen Integrationsgebotes gesprochen werden. Auch fehlt eine funktionale Verbindung zu Siedlungsbereichen der Stadt Pohlheim, insbesondere zu weiteren Ein- zelhandelslagen, hier v. a. der Neuen Mitte Pohlheim als Haupteinkaufslage. Angesichts der Ausrichtung des Betriebstyps FOC an einem solchen Autobahnstandort, der sich insbesondere auf Pkw-Kunden richtet, ist davon auszugehen, dass die Parkplätze auf dem Areal in Richtung Autobahn angeordnet werden, während die Einzelhandelsgeschäfte im rückwärtigen Bereich in Richtung Siedlungslage auch als Schallschutz zu den dortigen Wohngebieten errichtet werden. Somit würde sich gegenüber der ersten Reihe der Wohnhäuser auch eine Rückseitenansicht ergeben. Das städtebauliche Integrationsgebot wird nicht eingehalten.

  • Beeinträchtigungsverbot: Wie die vorangegangenen Berechnungen dargelegt haben, sind erhebliche wettbewerbliche Auswirkungen und damit möglicherweise verbun- dene städtebauliche Auswirkungen in einzelnen zentralen Versorgungsbereichen der Region nicht auszuschließen. Dies gilt insbesondere für zentrale Versorgungsbereiche wie die Innenstadt Gießen und die Innenstadt Wetzlar, die in Teilräumen bereits An- zeichen einer Vorschädigung aufweist. Den immer schwierigeren Rahmenbedingungen für den stationären Einzelhandel in zentralen Versorgungsbereichen und insbesondere Innenstädten wird in Gießen bereits seit vielen Jahren durch die Einrichtung verschiedener BIDs entgegen gewirkt. Auch in den Umlandkommunen wurden erhebliche Investitionen, zum Teil über Städtebauförderprogramme (z. B. Stadtumbau West, Ab in die Mitte, Städtebaulicher Denkmalschutz), in die innerstädtischen Lagen getätigt, um einen attraktiven städtebaulichen Rahmen zu erhalten. Das Beeinträchtigungsverbot wird somit nicht eingehalten.

  • Regionalplan Mittelhessen zu FOC: Dieses Ziel richtet sich direkt an die Betriebsform Factory-Outlet-Center, welche nur in den Kernbereichen der Innenstädte der Oberzentren zulässig ist. In Mittelhessen wären dies somit die Innenstädte von Gießen, Marburg und Wetzlar. In Pohlheim wird das Ziel nicht eingehalten.

Aber es gibt doch gute Erfahrungen mit Outlets, die Städte bereichern. Warum soll das hier anders sein?

Die Vergleiche mit bereits bestehenden Outlets, die angeblich gut funktionieren, hinken massiv. Es gibt Center, die in strukturschwachen Regionen entstanden sind, in denen es zuvor kaum Angebote gab. Hier in Garbenteich will man ein Outlet mit einem Sortiment (Bekleidung, Sportwaren, Schuhe) bauen, das auch in Gießen verkauft wird. Direkt vor die Tore der Stadt. Das CentrO in Oberhausen zeigt, was passiert, wenn man ein großflächiges Bekleidungsangebot neben eine Innenstadt setzt.
In der Stadt Zweibrücken hat das Outlet zu enormen Umsatzeinbußen im innerstädtischen Handel geführt – stark bemerkbar macht sich das in Zweibrücken im Segment der Sportbekleidung. Selbst der Handel in Roermond – so ein Bericht in der niederländischen Tageszeitung Telegraaf – profitiert nicht von den Outletbesuchern. Und das, obwohl auch hier aus Umfragen hervorgeht, dass rund 20 Prozent nach dem Outletbesuch die Roermonder Innenstadt besuchen. Outletsortimente und Marken, die im Outlet verkauft werden, werden auf Dauer von den Ladentheken des innerstädtischen Handels verschwinden, da dieser mit dem unfairen Preiswettbewerb nicht mithalten kann. Dies führt innerstädtisch zu Umsatzeinbußen, Sortimentsverkleinerungen und letztlich auch zu Schließungen. Zudem werden einige Filialisten ins Outletcenter ziehen, was innerstädtisch weitere Leerstände nach sich zieht.

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