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Gießen Haupt-Einkaufsstadt der Region


Gießen gehört heute zu den Haupt-Einkaufsstädten der ganzen Region. Sogar deutschlandweit belegt der Gießener Seltersweg einen der vordersten Plätze, was die Menge der Besucher angeht. Erst jüngst bestätigte eine Studie: Der Gießener Boulevard hat die zweithöchste Passantenfrequenz aller deutschen Städte bis 100.000 Einwohner (4.470 Passanten in einer Stunde). Auch im hessenweiten Vergleich lässt Gießen weitaus größere Städte wie Offenbach und Darmstadt hinter sich. Zu Recht. Denn hier findet man auf überschaubarem Raum ein großes Angebot. Vor allem im Bereich Bekleidung, Schuhe und Sportartikel – darunter viele Markenprodukte, die auch im Outlet verkauft werden sollen.
Dieser Erfolg bei Besuchern ist nicht zufällig, sondern hart erarbeitet. Viel städtisches Geld ist in die Sanierung der Innenstadt geflossen und viel auch privates Kapital wurde und wird durch die BIDs (Zusammenschluss der Hauseigentümer) investiert, um die Innenstadt als lebendigen Ort des Lebens, Arbeitens und Einkaufens für Einwohner und Besucher erlebbar und erfahrbar zu machen.


Outlet gefährdet Shoppingerlebnis

Dies wird durch ein Outlet gefährdet. Wie ein Gutachten zeigt, das wir als Stadt beauftragt haben, wird es ganz sicher zu höheren Umsatzumverteilungen zu Lasten Gießens Innenstadt kommen, wenn das Outlet kommt. Einbußen, die der Handel nicht verkraften kann.
Bei den heute bekannten 14.000 m² Verkaufsfläche ist insgesamt mit bis zu 84 Millionen Euro Kaufkraftumverteilung zu rechnen. Allein der Einzelhandel zwischen Marburg und Friedberg würde 42 Millionen Euro verlieren. Hauptsächlich betroffen: Gießen. Rund 24 Millionen Euro würden dem Handel jährlich fehlen. Wie die Beispiele anderer FOCs in Deutschland zeigen, bleibt es nicht bei der Verkaufsfläche, sondern sie wird nach einer bestimmten Zeit noch größer.
Die Folge wären Geschäftsschließungen, vielleicht Leerstände. Und sicher ein komplett verändertes Angebot. Bisher in Gießen und der Region bekannte und beliebte Shopping-Hotspots wie der Seltersweg und die angrenzenden Gebiete könnten ihr Gesicht komplett ändern. Gerade der bekannte Mix aus inhabergeführten Fachgeschäften und Filialen größerer Ketten mit den mittel- bis hochwertigen Bekleidungssortimenten wäre gefährdet. Ein-Euro-Läden statt Marken-Auswahl. Billig-Ketten, Spielhallen, Wettbüros und Handy-Läden statt Beratung und Vielfalt.
Denn: Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Wer Markenartikel aus der letzten Saison oder auch minderwertige 1b-Ware im Outlet kauft, wird in Gießens Innenstadt wahrscheinlich dann bald auch nichts mehr aus der neuen Kollektion der Marken finden. Weil die Nachfrage sinkt, wird auch das Angebot kleiner.
Auch wenn die Investoren behaupten: Das Outlet zieht neue Kunden an. Und deshalb nutze es sogar den bestehenden Läden in den Innenstädten der Region. Das ist falsch!
Unser Gutachten, das sich auf Erfahrungen aus anderen Outlet-Standorten stützt, zeigt auf: Das Einzugsgebiet eines FOC in Pohlheim wird kleiner sein als das von anderen FOCs im ländlichen Raum. Wer weiter weg wohnt, hat ja auch schon andere Outlets z.B. in Montabaur und in Wertheim vor der Tür. Es werden also mitnichten nur Shopping-Touristen neu in die Region kommen, die nur ein- oder zweimal im Jahr ins FOC fahren. Ein Großteil des Umsatzes im FOC würde mit Kunden aus der Region generiert, die sich vor dem Einkaufen überlegen, ob sie ihre Schuhe oder die Hose für die Kinder in der Innenstadt von Gießen, Wetzlar oder direkt im FOC kaufen. Diese Kunden kommen mehrmals im Jahr ins Outlet und fehlen dann dem innerstädtischen Einzelhandel.
Und: Selbst wenn nur die Hälfte des Umsatzes des Outlets aus der Region abgezogen wird, wird das angebliche Schnäppchen-Paradies auf der Grünen Wiese zur Gefahr für weite Teile des Innenstadt-Handels, der heute Bekleidung, Schuhe und Sportartikel anbietet. Das haben die Gutachter klar errechnet. Denn schon diese Einbußen reichen aus, um das heutige Angebot massiv zu gefährden.

Stadt-Leben insgesamt bedroht

Der Investor verspricht außerdem, dass die von fern anreisenden Kunden ja auch in der Innenstadt einkehren werden. Wer glaubt, dass Besucher, die eine Stunde oder mehr nach Garbenteich als Shopping-Touristen gefahren sind, danach noch 20 Minuten in die nächste Innenstadt fahren, um weiter einzukaufen, irrt sich. Zumal die Einkaufstüten ja schon gefüllt sind.
Ein Outlet ist eine Bedrohung unserer Innenstadt, unserer Einkaufsstadt – und keine Bereicherung.
Und zu dieser Innenstadt, die auch nach Ladenschluss lebt, gehört nicht nur der Handel. Weniger Angebot und weniger Besucher würden auch das heute so vielfältige gastronomische Angebote schmälern. Denn: Wenn es sich nicht mehr lohnt, in Gießen zu shoppen und weniger Menschen kommen, um Zeit hier zu verbringen, sind auch die vielen neuen Cafés und Wohlfühl-Ecken in ihrer Existenz bedroht. Ganz zu schweigen von beliebten und angestammten Angeboten wie dem Wochenmarkt, der ebenso angewiesen ist auf Einkäufer und Besucher aus Gießen und der Region.
Auch in den Nachbarstädten Marburg, Wetzlar, Butzbach, Friedberg und Bad Nauheim würde man übrigens die Auswirkungen deutlich spüren. Und in den benachbarten kleineren, feinen Einkaufsstädten im Kreis Gießen wie Lich und Grünberg. Auch dort prognostiziert das Gießener Gutachten gravierende Einbußen im lokalen Handel, die existenzbedrohend sind. Deshalb haben sich die meisten Städte – wie Gießen, Marburg und Wetzlar – schon gegen das Outlet ausgesprochen.

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